Ab 28.09.2006 im Kino
 
 
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Über KUTLUG ATAMAN

Geboren 1961 in der Türkei/Istanbul, lebt KUTLUG Ataman in London und Barcelona. Seit 1984 arbeitet er mit Film, seit 1997 mit Video und Installationen. Nach seinem Abschluss an der Filmhochschule in Paris und Los Angeles 1987, macht er mit "La Fuga" seinen ersten Kurzfilm, der mehrere Preise gewinnt. Kutlug kehrt nach Istanbul zurück und wird dort zu einer der führenden Figuren in der türkischen Schwulenbewegung. Seine wöchentliche Kolumne in der Zeitung "Gazete Pazar" gilt als wichtiger Orientierungspunkt für die community.

Sein erster Langspielfilm "Karanlik Sular" / "Serpent`s Tale" (1993) gewinnt Preise bei verschiedenen internationalen Filmfestivals und gilt unter Filmhistorikern als Beginn des Jungen Türkischen Films. Mit seinem zweiten Feature "Lola + Bilidikid" (1998) gewinnt er auf der Berlinale den Teddy Special Jury Award. Außerdem erhält er den Publikumspreis bei dem International Gay and Lesben Film Festival in Turin und wird als "bester Film" bei dem Mediterranean Film Festival und dem Ankara Film Festival ausgezeichnet, sowie für "beste Regie" bei dem Film Festival in New York. Mitte der neunziger Jahre begann Ataman in den Kunstkontext zu wechseln und mit Videoinstallationen zu arbeiten. Seine Filme waren unter anderem auf den Biennalen Istanbul (1997), Venedig(1999), Berlin (2000) und in Galerien und Museen in Europa und den USA zu sehen.

1987 LA FUGA (Kurzfilm)

1993 KARANLIK SULAR / SERPENT ´S TALE (1. Langfilm, Türkei)

1997 Biennale Istanbul 1998 LOLA UND BILIDIKID (2. Langfilm, Deutschland, 90 Minuten)
Berlinale, Teddy Special JuryAward
Biennale Montreal; Manifesta 2, Luxembourg

1999 Biennale Venedig; Centre d’Art Contemporain, Genf 2000 The Lux Gallery, London; Helsinki City Art Museum, Helsinki;
Kunstmuseum Bonn

2001 Tensta Konsthall, Stockholm; Berlin Biennale 2, Berlin

2002 THE 4 SEASONS OF VERONICA READ
documenta 11, Kassel:"The 4 Seasons of Veronica Read", four screen video projection installation

2003 Serpentine Gallery

2005 Zwei Mädchen aus Istanbul / IKI GENÇ KIZ (Türkei, 107 Minuten)



Der Regisseur über seinen Film
Ich wollte „Zwei Mädchen aus Istanbul“ wie einen Dokumentarfilm drehen, oder sogar wie eine Kriegsreportage. Es gibt zwei grundverschiedene Istanbuls im Film: das eine, am Rande, ist noch traditionell. Das andere ist das gierige, alles verschlingende moderne Istanbul. Letzteres Istanbul, die Welt von Handan, ist so grausam, dass es sogar seine eigenen Kinder oder sich selbst auffrisst, wenn es keine andere Nahrung findet.

Behiye, die scheinbar starke Ausreißerin vom Stadtrand, sieht in der süßen, unschuldigen, aus dem Stadtteil Etiler stammenden Handan ihre Erlöserin. Doch Handan ist ein Produkt von Etiler. Sie ist ein schönes, faszinierendes Raubtier, das seiner Beute auflauert. Dennoch ist uns Handan genauso sympathisch wie Behiye, denn beide stellen jeweils eine Seite von Istanbul dar. Eines steht fest: Wenn nicht Handan Behiye auffrisst, tut es jemand anders. Kann man Handan ihre Natur überhaupt vorhalten? Ist sie nicht auch ein Produkt Istanbuls?

Mit dem Zusammentreffen dieser beiden Charaktere prallen auch ihre verschiedenen Welten aufeinander. Diesen Zusammenprall möchte ich mit meiner Kamera live festhalten. Er interessiert mich ebenso sehr wie die Figuren selbst. Denn dieser Zusammenprall setzt das Spiel in Gang, einen gefährlichen Tango, das Drama: Er verleiht der Geschichte ihre Dynamik und ihre Spannung. Konflikte sind immer attraktiv. Alle kraftvollen Geschichten basieren auf einem Konflikt. Ich möchte diese Konflikte so weit wie möglich ausreizen und sie über die Geschichte hinaus auch visuell ausdrücken. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass Behiyes dunkle Welt eigentlich das Opfer ist und Handans rosa Welt das Raubtier. Behiyes Welt soll sanfter wirken und Handans Welt dynamischer.

Diese realen Widersprüche wurden im türkischen Kino noch nicht thematisiert, wenn es um Jugendliche ging. Dabei ist die Angst das Grundgefühl der Jugend. Psychologische und soziale Konzepte wie Lebensangst, Angst vor Orientierungslosigkeit, Angst vor dem Erwachsenwerden, Angst vor dem Start ins Leben und Angst vor der sexuellen Erwartungshaltung wurden im Kino bereits auf unterschiedlichste Weise dargestellt: von Horrorfilmen wie „Scream“ bis hin zu Musicals wie „Grease“. „Zwei Mädchen aus Istanbul“ kann man als coming-of-age-Geschichte betrachten, bei der die Musik zu türkischen Texten spielt.

 
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